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Exposés


Andreja Bole (Ljubljana): „Moveo, ergo sum“: Das Russlandbild in ausgewählten Reiseberichten des 16. bis 17. Jahrhunderts

Die Reise in die Fremde führt zur zweierlei Erfahrung: die des Fremden und die des Eigenen. Wie sich diese Dichotomie in der Literatur des 16. bis 17. Jahrhunderts widerspiegelt, lässt sich anhand zweier Reiseberichte, Rerum Moscoviticarum Commentarii des Sigismund von Herbersteins und Vermehrte Newe Beschreibung der Muscowitischen vnd Persischen Reyse des Adam Olearius, gut beobachten. Die unter gewissen Aspekten Pionierarbeit leistenden Werke setzten sich mit dem Russlandbild des 16. bis 17. Jahrhunderts auseinander.
 

Sara Eriksson (Stockholm): Das Motiv der Reise im Tagebuch – die Reise als Spiegel des Selbst

Das Reisetagebuch ist so alt wie die Gattung des Tagebuchs selbst. Prominente Beispiele sind sowohl tatsächliche Reiseberichte (z.B. James Boswell's The Journal of a Tour to the Hebrides, 1785) als auch belletristische Tagebuchromane (z.B. Daniel Defoe's Robinson Crusoe, 1719). Ein Blick in heutige Tagebücher und Webjournale zeigt, dass die Reise dank ihres Ereignischarakters noch immer wichtiges Thema, mitunter gar Anlass zum Tagebuchschreiben ist. Seit den ersten prominenten Exemplaren der Gattung haben sich allerdings die soziokulturellen Bedingungen des Reisens und das Verständnis des Individuums radikal verändert. Mein Beitrag analysiert, wie unter diesen veränderten Bedingungen das Verhältnis zwischen beschriebenem Ich und der Reise gestaltet wird.


Zlatan Filipovic (Göteborg): Narrativising the Past in W.G. Sebald's The Emigrants: Historiography and Memory in Postmodern Writing

When Linda Hutcheon in her work on postmodern aesthetics and historiography (1988) speaks of “history as ‘a true novel’” she seems both to sum up the post-modern skepticism towards historical knowledge but also point towards what, in an unfortunate turn of phrase, could be called a poetics of history, flashing out the fact that history and fiction may not be as too far apart as it may seem. W. G. Sebald’s novel The Emigrants could be seen as a site of contention where desperate attempts by the narrator to preserve the memory of the past are constantly undermined by the unreliability of the very means by which he attempts to maintain its legitimacy. Reflecting on the nature of historical knowledge and memory in Sebald’s novel, this paper intends to consider whether history, insofar as it shares its narrative conventions with fiction, is not past but perhaps yet and always to be determined.


Robert Gillett / Astrid Köhler (London): Der reisende Europäer als Exemplum, oder: Prolegomena zu einer Kulturgeschichte des Reisens

Eine Kulturgeschichte des Reisens darf sich nicht nur auf die so genannte ‚Reiseliteratur‘ beschränken und sich erst recht nicht in der Debatte über die Beschaffenheit dieses Genres verlieren. Auch sollte das in Mode gekommene Thema des ‚Fremden‘ nicht von der Frage abgekoppelt werden, wie dieses Fremde überhaupt er-fahren wird. Dabei müssen sowohl die verschiedenen Fortbewegungsmodalitäten und -geschwindigkeiten berücksichtigt werden als auch die jeweils anderen geistigen, sozialen, politischen und kulturellen Voraussetzungen dafür. Wie und warum gereist wird, für wie lange und unter welchen Bedingungen, ob überhaupt wirklich oder nur virtuell, ist dabei von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Erst wenn diese verschiedenen Formen des Reisens sowohl voneinander abgegrenzt als auch miteinander vernetzt sind, ergibt sich die Möglichkeit einer sinnvollen und halbwegs repräsentativen Kulturgeschichte des Reisens.
Im Beitrag soll es exemplarisch um eine einzige Fortbewegungsart gehen: um Bootsfahrten. Unter Berücksichtigung von verschiedenen literarischen, dokumentarischen und filmischen Texten soll gezeigt werden, wie an Hand von bezeichnenden Unterschieden im Gefährt Ausschlag gebende soziale und ökonomische Ungleichheiten, entscheidende historische und kulturelle Fortschritte bzw. Ände-rungen, und prägende Denkweisen und Begrifflichkeiten festgemacht werden können. Zum Beispiel: Was besagt ein Vergleich zwischen Narrenschiff, Sklavenschiff und Kreuzfahrtluxusdampfer – also etwa zwischen Sebastian Brant, Robert Walsh, Kafkas Bericht für eine Akademie, Katherine Anne Porter und Camerons Titanic – über die geschichtlichen, soziopolitischen und ideologischen Rahmenbedingungen der westlichen Kultur? Was hat Rimbauds ‚bauteau ivre‘ mit Darwins Beagle zu tun? Und welches Licht wirft ein Werk wie Ethel Smythes Wreckers auf die konstitutive Konstellation zwischen Sesshaften und Abenteurern? Indem wir solchen Fragen nachgehen hoffen wir, dem reisenden Europäer seine Unschuld und seine Bequemlichkeit zu nehmen um ihn stattdessen mit der ganzen Last seiner oft unschönen Geschichte zu behängen.


Antoaneta Granberg (Göteborg): The text transmission of a journey story. Pseudo Callisthenes' romance about Alexander the great

The paper discusses how a narration about a traveller and his journey changes in the process of the text transmission in time and space. The text in focus is Pseudo Callisthenes romance about Alexander the great. The journey of Alexander has an impressive text transmission spread over sixteen centuries and on almost all languages of the late antiquity and the middle ages up to the languages of modernity.
The analysis focuses on how changes in the structure and the content of the narration about the journey of Alexander mirror changes in the society. The paper discusses the idea about the migration of texts as a result of the creation of stability in society. The results of the analysis show how the text transmission reflects the dynamics between the permanent and the transcient in the story about the journey of Alexander the great.


Frank Thomas Grub (Göteborg): „Italienisches Zimmer – Afrikanische Nacht“: Filmische Reisedarstellungen des Fernsehens der DDR

Obwohl den meisten Bürgerinnen und Bürgern der DDR bis zur ‚Wende‘ Reisen in den Westen verwehrt waren, beschäftigen sich diverse, kontinuierlich über 40 Jahre, aber verstärkt in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre erschienene Bücher mit dem sog. ‚kapitalistischen‘ Ausland. Zugleich produzierte das Fernsehen der DDR insbesondere zwei Serien, in deren Zentrum ebenfalls Reisen stehen: Treffpunkt Flughafen (1986) und Zur See (1974-1976). Während es sich bei den Reise-darstellungen und -berichten in Buchform mehrheitlich um Texte handelt, die über weite Strecken als Demontagen der jeweils besuchten Länder gelesen werden können, liegen den Fernsehserien offenbar andere Prämissen zugrunde. Eine Orientierung an westdeutschen Erfolgsserien ist deutlich erkennbar. Im Rahmen des Beitrags werden neben Fragen nach den jeweiligen filmästhetischen und erzählerischen Darstellungen der bereisten Länder auch Aspekte der Entstehungsbedingungen, der Rezeption sowie ggf. erfolgter Funktionalisierungen der Serien thematisiert.


Martin Hellström (Borås): Paradiese, Übersee – Zum Motiv des Reisens bei Felicitas Hoppe

Die literarischen Texte von Felicitas Hoppe schildern häufig Reisende. War ihr literarisches Debut Picknick der Friseure geprägt von Figuren, die vom Aufbruch träumen, letztlich aber die Reise und die Konfrontation mit dem Unbekannten, dem Abenteuer, scheuen, ist das Reisen für die Figuren in ihrem späteren Werk ein Sich-Ins-Verhältnis-Setzen mit der (sogenannten) Wirklichkeit. Dieses Sich-Ins-Verhältnis-Setzen ist eine Annäherung an Personen, Dinge und Ideen, ein Überprüfen der eigenen Vorstellung von der Wirklichkeit. Dass und wie die eigenen Vorstellungen die Wahrnehmung des Reisenden steuern wie auf die Erzähltechnik beeinflussen, soll anhand von Hoppes Roman Paradiese, Übersee, der als Europa-Roman gelesen werden kann, näher aufgezeigt werden.


Almut Hille (Berlin, FU): Reisen und Reiseliteratur als Gegenstände globalen Lernens

Kulturwissenschaftliche Betrachtungen von Reisen und Reiseliteratur haben in der Fachdiskussion Deutsch als Fremdsprache wiederholte Konjunkturen erfahren, zuletzt im Kontext eines interkulturellen Lernens als übergreifendem Ziel des Unterrichts. Die Begegnung mit der Fremde und ‚über sie‘ mit dem Eigenen steht im Mittelpunkt der entsprechenden Lektüren deutschsprachiger Reisetexte. Erweitert man das Paradigma des interkulturellen Lernens in Richtung eines kulturwissenschaftlich orientierten Unterrichts oder eines globalen Lernens ergeben sich andere Zugriffe auf Reisetexte. Im Kontext eines globalen Lernens spielen die Bewusstmachung weltweiter Zusammenhänge, des Miteinander-Verwobenseins von Menschen, Dingen und Landschaften eine Rolle. Reisereportagen von Ilija Trojanow und Mathias Politycki können Lektüregrundlagen für entsprechend gestaltete Lernprozesse sein.
 

Gisela Holfter (Limerick): Reisende Europäer vor dem Ersten Weltkrieg

In diesem Vortrag geht es um zwei reisende Europäer, einen Österreicher und eine Deutsch-Französin, und ihre ersten Bücher, die sich explizit mit der europäischen Umwelt auseinandersetzen, beide kurz vor dem Ersten Weltkrieg erschienen. Richard Bermann (1883-1939) trat in erster Linie als Journalist (meist unter seinem Pseudonym Arnold Höllriegel) hervor. Der Beginn seiner Kariere als Reisejournalist wird meist in die Mitte der zwanziger Jahre gelegt, am bekanntesten wurde vielleicht sein Anteil an den Forschungsreisen László Almásys, nicht zuletzt durch Michael Ondaatjes The English Patient. Bermanns hier vorgestellte erste größere Reisebeschreibung stammt bereits aus dem Jahr 1914.
Annette Kolb (1870-1967), eine bekannte und renommierte Autorin vor allem der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts trat 1913 erstmals in die Öffentlichkeit mit einem Werk, das man als einen als Liebesgeschichte getarnten Reisebericht be-zeichnen könnte – Das Exemplar. Von diesen Werken ausgehend wird es in meinem Beitrag um die Bedingungen der literarischen Reiseschilderungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehen sowie um die Situierung der beiden Werke im Gesamtwerk ihrer Autoren und ansatzweise den Kontext des Europadiskurses in dieser Zeit und welche Rolle dabei das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland spielte im kurzen Vergleich mit früheren und nachfolgenden Rezeptions- und Konstruktionsvorgängen.


Marija Javor Briški (Ljubljana): Die Zimmern auf Reisen

Froben Christoph von Zimmern verfasste Mitte des 16. Jahrhunderts die Zimmerische Chronik, in der er die Geschichte des südwestdeutschen Adelsgeschlechtes von den Anfängen bis in die frühe Neuzeit darlegt. Er berichtet u. a. über etliche Reisen, die seine Ahnen, die Mitglieder seiner Familie oder er unternommen haben. Im Beitrag werde ich mich mit den sich verändernden Zielen der Reisen und ihrer Motivationen beschäftigen, ferner werde ich der Frage nachgehen, nach welchen Wahrnehmungsmustern die fremden Menschen, Länder und Kulturen beschrieben werden und welche Faktoren die Beschreibungen beeinflussen.


Linda Karlsson Hammarfelt (Göteborg): Fluide Kartographien des Selbst und der Welt bei Nina Burton und Christoph Ransmayr

Spätestens seit dem ‚spatial turn‘ kommt der räumlichen Dimension des literarischen Erzählens großes Interesse zu. Besonders prägnant wird die räumlich orientierte Narration in Gattungen des life-writing, die sich gegenwärtig verschiedener kartographischer Verfahren bedienen, um das Ich und seine Bewegung bzw. seine Verortungen im Raum literarisch zu erkunden. Zwei Beispiele hierfür finden sich bei Nina Burton, deren Autobiographie Flodernas bok (Buch der Flüsse) 2012 erschien sowie bei Christoph Ransmayr, der im selben Jahr seinen Atlas eines ängstlichen Mannes herausgab. Diese Texte werden in meinem Vortrag analysiert. Dabei geht es vor allem um Strategien des ‚Mappings’ von Erinnerungen, Erfahrungen und Reisen des Ichs, aber auch die poetologische Funktion des bereits im Titel von Burtons Buch aktualisierten Wasserelements für die Landkarten des Selbst wird Beachtung finden. 


Benjamin Langer (Berlin, FU): Das finnische Abenteuer eines Handlungsreisenden in pharmazeutischen Artikeln: Herr Poehlmann reist von Ilse Faber

1931 veröffentlichte Ilse Faber im Verlag Bruno Cassirer ihren zweiten Finnlandroman Herr Poehlmann reist (nach Die silberne Kugel, erschienen 1939 bei Eugen Diederichs). Er handelt von dem deutschen Medikamentenvertreter Poehlmann, der sich auf eine Geschäftsreise nach Finnland begibt. Im Gepäck hat er nicht nur Arzneien, sondern auch geschmuggeltes Opium. Doch die Geschäfte laufen nicht wie erhofft und Poehlmann bleibt länger als geplant in dem als sehr fremd empfundenen Finnland, das ihn zunehmend in seinen Bann schlägt. Als er die Hauptstadt Helsinki verlässt, ist es ganz um ihn geschehen: Poehlmann verliert sich in der finnischen Natur. In dem Vortrag soll vor dem Hintergrund des zeitgenössischen deutschen Finnland-Diskurses dargestellt werden, wie Faber Poehlmanns Reiseziel als fernes, exotisches Land konstruiert und inwiefern sie sich dabei deutscher Finnland-Stereotypen bedient oder sich auch bewusst davon abgrenzt.
 

Corina Löwe (Växjö): „Wenn einer eine Reise tut“ – Thematisierung des Reisens in der Kinderliteratur der DDR

Das Reisen ist ein sehr frequentes Motiv in der Kinderliteratur. Oft werden Reisen geschildert, um ferne Länder kennen zu lernen, aber auch die Reifung des Ichs kann zum eigentlichen Reiseanlass werden. Trotz aller in der Gesellschaft vorherrschenden Reglementierungen wurden in der DDR sehr viele literarische Reisen in Kinder- und Jugendbüchern unternommen. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die Thematisierung des Reisens in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR und untersucht, welche Reisen möglich und erwünscht waren und ob und wie über ‚unmögliche Reisen‘ (Grub 2010) berichtet wurde. An Texten von Uwe Kant, Christa Kozik und Willi Meinck wird weiterhin der Frage nachgegangen, ob das Thema der Konferenz „Reisende Europäer“ auch auf kinderliterarische Texte der DDR zutrifft.
 

André Menke (Göteborg): Christian Krachts Reisetexte

An den Texten des Autors Christian Kracht stechen zwei Aspekte besonders hervor: der Hang zum Exotischen und zur Bewegung. Besonders deutlich wird dies in den Reisetexten des Autors. Der Beitrag wird der Frage nachgehen, welche Beobachtungen der ‚reisende Europäer‘ Kracht an unterschiedlichen Orten anstellt und versuchen, einige der dabei zur Anwendung kommenden Verfahren herauszuarbeiten.
 

Britta Olinder (Göteborg): John Hewitt as the travelling European

Regionalism was central in John Hewitt’s thinking since the region, in his case Ulster in northern Ireland, was felt as the very basis of his identity. In his view, however, this region is an organic part of the whole island which in turn belongs to the British archipelago on the outskirts, yet a natural portion of the European continent. What we must keep in mind, however, is that from an Irish as well as a British perspective Europe is “the other” looked at from the outside.
This is the background of Hewitt’s many journeys, all of them within European borders, ever since his young days when he visited Paris with his father, later on his own and in due course mostly with his wife. During the Second World War the Irish had to remain on their island but could easily cross the frontiers between the British North and the neutral Republic. The relief and joy to be able to travel after the war not only to England but to the whole European continent is keenly felt in Hewitt’s descriptions of his first tour via London and Paris to Venice and other places in Italy. It is at this time that travelling becomes a frequent habit for Hewitt, both as a PEN delegate and as a museum man, especially when he becomes the Director of the new art gallery in Coventry. Encounters with other writers, artists and critics as well as with other social conditions and landscapes become very important. Not least is it the art that he has read about and knew in theory that he finds intensely stimulating to see in reality. Now the borders are extended from Paris and north-western Europe not only to Italy but also to Greece, Central Europe and finally to countries on the other side of the Iron Curtain. Europe thus kept growing in Hewitt’s thinking and work. Another aspect to take into consideration is that academically he was primarily a historian and now history landed in experienced geography. The immediate impressions take shape in poems while narrative accounts get more space in his still unpublished autobiographical papers, kept in the university library of Coleraine. Apart from genre differences it is the tension between home and abroad and the unstable concept of Europe that will be focused here.


Thorsten Päplow (Västerås): Reisen und Reiseschreiben in Heinrich Bölls Briefe aus dem Krieg

Es ist eine nahezu banale Tatsache, dass im Zweiten Weltkrieg viel gereist und viel geschrieben wurde. Die Reiseliteraturforschung hat sich jedoch bisher nur vereinzelt mit Reisetexten aus der NS-Zeit beschäftigt; möglicherweise ist dies darauf zurückzuführen, dass die Reiseliteraturforschung noch immer unter einem Rechtfertigungsnotstand steht, d.h. dass z.B. Briefe aus dem Krieg nicht als literarisch genug sind, um einen adäquaten Untersuchungsgegenstand auszumachen. Prinzipiell spricht jedoch nichts dagegen, Kriegstagebücher oder Briefe aus dem Krieg im Rahmen der Reiseliteraturforschung zu behandeln. Heinrich Bölls 2001 veröffentlichte Briefe aus dem Krieg sind zwar in der literaturwissenschaftlichen Forschung behandelt worden, jedoch in erster Linie vor dem Hintergrund der Bedeutung des Autors, d.h. entweder mit dem (auto)biographischen Interesse oder in Hinsicht auf die späteren Werke des Nobelpreisträgers. Dieser Beitrag setzt sich daher genauer mit Aspekten der ‚Erfassung‘ von Kriegsreisen bzw. von bereisten Ländern in Form von Text auseinander und hofft somit zu demonstrieren, dass auch Kriegsbriefe für die Reiseliteraturforschung einen interessanten Untersuchungsgegenstand ausmachen können.
 

Helge Perplies (Greifswald): Der reisende Europäer in den Ost- und Westindischen Reisen Theodor de Brys

In der Reisesammlung, die von Theodor de Bry und seinen Erben zwischen 1590 und 1634 herausgegeben wurde, sind die Berichte von Deutschen, Holländern, Engländern, Franzosen, Spaniern, Portugiesen und Italienern versammelt, Berichte über Reisen sowohl in die sogenannte ‚Neue Welt‘ als auch nach Afrika und Asien. In der Begegnung mit den Einwohnern dieser Gegenden, so unterschiedlich sie in den Werken auch dargestellt werden, konstituieren sich die Reisenden als Europäer – über alle politischen, wirtschaftlichen und konfessionellen Grenzen hinweg. Es ist das Anliegen dieses Vortrags, die Realisierung dieser Definition ex negativo in ausgewählten Texten aus der Sammlung aufzuzeigen.
 

Edgar Platen (Göteborg): Lesend vom Reisen schreibend. Zu Hans Magnus Enzensbergers Mobilitätsformen

Seine ersten Erfahrungen mit dem Literaturbetrieb sammelte Hans Magnus Enzensberger in den 1950er Jahren als Assistent von Alfred Andersch in dessen Rundfunktätigkeit, in der Andersch ein europäisches Denken der nationalsozialistischen ‚Vergangenheit‘ entgegen zu setzen versuchte. Schnell baute Enzensberger aber auch ein eigenes europäisches Netzwerk auf, aus dem u.a. Mitte der 1960er seine literarische Zeitschrift Kursbuch hervorging, in der wichtige Texte des frühen Post-kolonialismus erschienen, aber auch entscheidende literarische Debatten geführt wurden (Internationalität, Dritte Welt, ‚Tod der Literatur‘). Das Reisen als Begegnung und Dialog mit dem Anderen bleibt auch in seinem späteren Werk zentral, z.B. in Ach Europa! (1986) oder Eine literarische Landkarte (1999). Immer anwesend sind dabei Literaten, literarische Texte und Rezeptionsbewegungen, die sich über die ganze Welt bewegen. Reisen, lesen und schreiben kommen hierbei überein darin, dass sie einander ergänzende Formen einer Welterkundung und damit der menschlichen Selbstvergewisserung sind. Eben dieser Zusammenhang in Enzensbergers Werk wird im Beitrag untersucht.


Irena Samide (Ljubljana): Die einsame Weltreiserin Alma Karlin

Alma Maximiliane Karlin (1889–1950), die in Celje/Cilli (heute Slowenien) in der Habsburger Monarchie geborene, hochgebildete und zwischen den Weltkriegen meistgelesene deutschsprachige Reiseschriftstellerin, bereiste in acht Jahren (1919–1927) die ganze Welt. Als Resultat ihrer Reise durch fünf Kontinente, die sie u. a. nach Südamerika und in die entlegensten und wildesten Gebieten Asiens führte, erschienen mehrere Romane, Reiseskizzen und zahlreiche journalistische Beiträge in verschiedensten deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften. In der Forschung wurde sie erst in den 1960er und verstärkt nach 1990er Jahren ‚entdeckt‘, wobei das Hauptaugenmerk auf dem ethnologischen Wert ihrer Reiseromane liegt. Im Beitrag wird versucht, u. a. anhand ihres bisher noch nicht bearbei-teten handschriftlichen Nachlasses in der Staatsbibliothek zu Berlin, ihre Wahrnehmung des Fremden, der Andersartigkeit und des Frauseins zu beleuchten und zu reflektieren.


Siegfried Ulbrecht (Prag): Dostojewskij und Europa

In dem Beitrag geht es um die Vorstellungen des russischen Schriftstellers Fedor Dostojewskij über Europa anhand der Texte Winteraufzeichnungen über Sommereindrücke (1862/63) und Der Jüngling (1875/76). Der erste Text stellt den literarisch-publizistischen Ertrag von Dostojewskijs Europareise dar, die er vom 7. (19.) 6. bis 22.8. (3.9.) 1862 unternahm; der zweite ist ein Thesenroman, in dem Dostojewskij in der Gestalt des ‚unbehausten‘ Gutsbesitzers Andrej Petrovič Versilov den Prototyp des russischen Europareisenden schuf. Dostojewskij ist von der Absicht geleitet, durch die Darstellung von national Fremdem, Anderem, Andersartigem vor allem ein Bild des national Eigenen zu gewinnen (Guski). Die Reisen werden bei Dostojewskij zur Offenbarung nicht des europäischen, vielmehr des russischen Wesens schlechthin (Ingold).


Monika Unzeitig (Greifswald): Der kosmopolite Europäer lesend unterwegs mit der Cosmographey des Sebastian Münster

Die Cosmographey des Sebastian Münster (erster Druck 1544) versteht sich als ‚Beschreibung aller Länder‘ in Text und Bild. Sie bietet dem Leser alle verfügbaren Informationen über die Welt als systematisierende Darstellung und zugleich als itinerarische Raumvorstellung, so dass die Lektüre auch eine Reise durch die Welt ist.


Gunhild Vidén (Göteborg): Besucher oder Eroberer – Aeneas als Reisender

Aeneas’ travels in the Aeneid fills many purposes. For one thing, it is of course an echo of Odysseus´ travels in the Odyssey. But it is also a remembrance of movements in the past, when the Italian coast was colonized from foreign groups of people. Last but not least, it symbolizes the meeting between Roman values in the shape of the foreigner Aeneas, and the values of The Others.


Elisabeth Wåghäll Nivre (Stockholm): Abenteuer oder Entdeckungsreise. Die skandinavischen Länder in deutschsprachigen Reiseberichten der frühen Neuzeit.

Frühneuzeitliche Reisende dokumentierten oft ihre Reisen in fremde Länder schriftlich und haben so ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit anderen teilen können. Vor allem die Geschichtsforschung haben diese Quellen fasziniert, aber seit den 1990er Jahren, nicht zuletzt seit Steven Greenblatts Marvelous Possessions (1991), haben sich auch Literaturwissenschaftler für die Berichte der Reisenden interessiert. Allerdings war die Anzahl der Reiseberichte über die Skandinavischen Länder gering bevor Carl Linneaus im 18. Jh. seine berühmte Entdeckungsreisen im Namen der Wissenschaft schriftlich dokumentiert hat, obwohl viele Europäer, vor allem aus dem deutschsprachigen Raum, seit dem Mittelalter den nordischen Raum besucht haben. Dieser Beitrag ist einigen dieser seltenen frühneuzeitlichen Reisenarrative in die skandinavischen Länder gewidmet. Der Fokus liegt auf die Perzeption und Repräsentation des Erlebten und Gesehenen. Der Beitrag wird vor allem der Frage nachgehen, welche narrativen Strategien verwendet werden, um dem Lesepublikum das neue Wissen von der Welt zu vermitteln.

Sidansvarig: Fredrik Fällman|Sidan uppdaterades: 2013-05-30
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